Stillen: Vorbilder gesucht!
Während meiner Stillweiterbildung habe ich das gesamte Thema rund um das Stillen und die Muttermilch noch einmal ganz neu schätzen und lieben gelernt. Muttermilch ist einfach einzigartig und exakt auf die aktuellen, täglichen Bedürfnisse des Babys abgestimmt. Ich bekam dadurch eine ganz neue Hochachtung vor etwas, das eigentlich das Natürlichste von der Welt ist, hierzulande jedoch häufig als schwierig oder teilweise sogar als großes Problem und Hindernis angesehen wird.
Hätte ich damals, als meine eigenen Kinder geboren wurden, schon gewusst, welche unschätzbaren Vorteile das Stillen und die Muttermilch überhaupt mit sich bringen, hätte ich meine Jungs auf jeden Fall länger gestillt (als jeweils nur etwa ein halbes Jahr). Und das trotz meiner Berufstätigkeit.
Warum uns oft die Vorbilder beim Stillen fehlen
Im Nachhinein denke ich, dass es mir in dieser Hinsicht einfach an guten Vorbildern und auch an ermutigender Beratung gefehlt hat. Meine eigene Mutter konnte mir hier leider nicht mit Rat zur Seite stehen. Als sie uns in den 1970er-Jahren zur Welt brachte, wurde das Stillen gesellschaftlich kaum gefördert. Sie erzählte mir beispielsweise, dass wir ihr auf der Entbindungsstation nur dreimal am Tag gebracht wurden, damit sie uns „anlegen“ konnte. Es wurde sofort mit der Flasche zugefüttert, weil die Muttermilch ja angeblich „nicht ausgereicht“ habe. Somit hatte sich das Thema Stillen schnell erledigt.
Das war damals der Trend der Zeit – ein Trend, der aus heutiger Sicht jedoch eher rückschrittlich als fortschrittlich war. Natürlich ist dies mein persönliches Erleben und Empfinden. Sicherlich hängt vieles von unserem direkten Umfeld ab, das Einfluss auf uns nimmt. Wenn ich mich jedoch mit anderen, etwa gleichaltrigen Müttern über diese Themen unterhalte, merke ich schnell: Meine Geschichte ist absolut kein Einzelfall.
Haben wir uns im Laufe der Generationen davon erholt? Jein, würde ich sagen. Auf alle Fälle war das Stillen in meiner Generation als junge Mama wieder gut verbreitet, wenn auch nicht immer gern gesehen – zum Beispiel in der Öffentlichkeit (obwohl mich persönlich das eher weniger gestört hat).
„Mal sehen, ob es klappt“ – Zwischen Wunsch und Unsicherheit
Blicke ich auf die aktuelle Situation, erstaunt es mich immer wieder, wie unnatürlich es für uns heute teilweise geworden ist, dass Babys gestillt werden. Häufig höre ich auf meine Frage hin, ob denn ein Stillwunsch besteht, die Antwort: „Mal sehen, ob es klappt.“ Das finde ich unheimlich schade! Denn ich bin fest davon überzeugt, dass es in den allermeisten Fällen klappt – und genau von dieser Zuversicht sollten wir auch ausgehen. Denn so sind wir biologisch erschaffen worden. Natürlich gibt es immer besondere Situationen wie Krankheiten, Frühgeburten oder Traumata, in denen es wirklich schwierig wird. Aber genau für diese Fälle gibt es professionelle Unterstützung, die man frühzeitig in Anspruch nehmen kann.
Ein anderer Satz, den ich immer häufiger im Beratungsalltag höre, lautet: „Mein Mann möchte aber auch mal die Flasche geben.“ Das ist von den Vätern unglaublich lieb und fürsorglich gemeint. Doch wenn ein echter Stillwunsch besteht, sollte die Nahrungsaufnahme in den ersten sensiblen Monaten primär der Mama vorbehalten bleiben – Gleichberechtigung hin oder her. Es sollte bedacht werden: Wenn das Baby zwischendurch mit der Flasche gefüttert wird, „sitzt“ die Mama auf ihrer Milch. Sie muss stattdessen abpumpen oder riskiert im schlimmsten Fall einen Milchstau, weil die Nachfrage an der Brust fehlt. Ihr lieben Papas könnt eine ebenso tiefe Bindung zu euren Kindern aufbauen: durch intensives Schmusen, Babymassage, Tragen oder das Wickeln.
Was wir von anderen Kulturen lernen können
In anderen Ländern sieht es in dieser Hinsicht teilweise deutlich fortschrittlicher aus als bei uns. Natürlich gibt es auch dort Herausforderungen im Zusammenhang mit der Säuglingsernährung, die alles andere als optimal laufen (wie beispielsweise die aggressive Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten durch einige Firmen). Dennoch: Vor allem in Ländern, in denen Großfamilien eine wichtige, tragende Rolle spielen, wachsen Kinder ganz natürlich damit auf, dass immer irgendwo irgendjemand sein Baby stillt. Es ist für alle Altersgruppen völlig normal.
Am Beispiel meines Mannes, der aus Südamerika stammt, kann ich das wunderbar erzählen: Er hatte schon von klein auf ständig Berührungspunkte mit Babys. Auch stillende Mamas im Alltag waren ihm vollkommen vertraut. Ich denke, dieses Aufwachsen mit sichtbaren Vorbildern macht gesellschaftlich einen riesigen Unterschied.
Du wünschst dir Unterstützung?
Egal, ob du gerade schwanger bist, einen Stillwunsch in dir trägst oder schon mitten im Stillen steckst und an einem Punkt einfach nicht weiterkommst: Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Kontaktiere mich gerne für eine persönliche, Beratung.
Ich bin für dich und dein Baby da.
