Flasche geben nach Bedarf: Pre-Milch richtig zubereiten und bedürfnisorientiert füttern

Wichtiger Hinweis vorab: Muttermilch ist die beste und natürlichste Ernährung für dein Baby. Sie schützt vor Krankheiten und fördert die Bindung. Wenn du nicht stillst, nicht voll stillst oder zufüttern möchtest, ist eine hochwertige Säuglingsanfangsnahrung (Pre-Milch) die gesündeste und sicherste Alternative. Dieser Artikel dient der unabhängigen, wissenschaftlich fundierten Aufklärung von Eltern, um eine sichere Ernährung des Säuglings zu gewährleisten und offene Fragen im Alltag zu beantworten

Das Fläschchen bedürfnisorientiert füttern

Vielleicht ist es dir nicht möglich zu stillen, vielleicht musst du anfangs noch zufüttern – was auch immer der Grund sein mag. Gerade beim Thema Säuglingsanfangsnahrung und Flasche geben herrscht oft eine große Unsicherheit. Wie soll man sich entscheiden, wenn man im Drogeriemarkt vor einer riesigen Auswahl an Formula-Nahrung steht? Da kann man sich schnell überfordert fühlen. Dazu kommt manchmal noch die Enttäuschung oder Entmutigung, weil das Stillen vielleicht noch nicht so klappt wie erhofft.

Eines ist sicher: Jede frischgebackene Mama möchte immer das Beste für ihr Baby. Aus meinem Klinikalltag als Still- und Laktationsberaterin sowie Kinderkrankenschwester weiß ich: So, wie Stillen viel mehr als nur Nahrung ist, so ist es beim Flasche geben auch. Die Zeit, die ihr beim Füttern verbringt, ist viel mehr als reine Nahrungsaufaufnahme oder Sättigung. Diese Zeit ist pure Beziehungszeit – echte „Quality Time“. Es ist eine Zeit, in der du deinem Baby deine Liebe zeigen kannst und es immer besser kennenlernst. Flasche geben nach Bedarf funktioniert wirklich!

Damit der Start mit der Formula-Nahrung gelingt und du mehr Sicherheit im Umgang damit bekommst, zeige ich dir in diesem Artikel die wichtigsten Auswahlkriterien für die passende Nahrung. Außerdem erfährst du, wie du eine Babyflasche richtig zubereitest und wie das bedürfnisorientierte Füttern (Paced Bottle Feeding) funktioniert.

Was ist Paced Bottle Feeding? Das stillfreundliche und bedürfnisorientierte Fütten mit der Flasche

Wenn ich über stillfreundliches Füttern spreche, möchte ich eines vorwegschicken: Solltest du zum Stillen zufüttern, wird empfohlen, dies nach Möglichkeit nicht per Flasche zu tun. Es kann sonst zu einer Saugverwirrung kommen, und die Brust wird im Anschluss möglicherweise abgelehnt. Alternativ hättest du beispielsweise die Möglichkeit, mit einem Löffel, einem Becher oder einem Brusternährungsset zuzufüttern.

Sollte dein Baby jedoch keine Probleme damit haben, sowohl die Brust als auch die Flasche zu nehmen, sollte bei der Saugerwahl Folgendes beachtet werden: Die Lippenauflage ist idealerweise möglichst groß, der Saugernippel lang und rund, der Sauger weich sowie formbar und die Tropfgeschwindigkeit nicht schneller als ein Tropfen pro Sekunde. Dies kannst du überprüfen, indem duu die Flasche senkrecht über Kopf hältst. Diese Saugerform ist übrigens auch die beste Wahl für ein nicht gestilltes Baby. Im Folgenden werde ich die Fütterung per Flasche näher betrachten.

Wie schon erwähnt, ist die Zeit des Fütterns eine Beziehungszeit, und nicht nur Flasche geben, Kind ist satt und fertig. Wie beim Stillen kannst du deinem Baby auch beim Füttern mit der Flasche ganz viel Liebe und Geborgenheit geben. Hier findet ganz intensiver Körper- und Blickkontakt statt.

Wie beim Stillen fängst dies schon vor der Nahrungsaufnahme an. Dein Baby macht sich bemerkbar, wenn es langsam Hunger bekommt. Du wirst sehen: Mit der Zeit lernt ihr euch immer besser kennen. So kannst die Fütterungsignale schon früh wahrnehmen, damit du die Flaschennahrung rechtzeitig zubereiten kannst, bevor dein Baby vor Hunger weint.

Wenn dein Baby anfängt zu schmatzen, seinen Kopf hin- und herzudrehen (es sucht nach Nahrung…) können das schon Hungerzeichen sein. Fängt es an, an den Fäustchen zu saugen und wirkt insgesamt angespannter, ist der Hunger schon etwas größer. Wenn es anfängt zu weinen oder zu schreien ist der Hunger bereits so groß, dass du es am besten erst einmal beruhigst, bevor du das Fläschchen gibst, damit es sich nicht verschluckt. Es ist also ratsam, dem Baby die Flasche anzubieten, sobald es die ersten Hungerzeichen zeigt.

Beim stillfreundlichem Flasche geben ist es wichtig, das du eine bequeme Position einnimmst, gerne unterstützt durch ein Stillkissen.
Dein Baby legst du aufrecht in deinen Arm, eng an dich gekuschelt. Auch dies kannst du, wie beim Stillen nackt im Haut-zu-Haut-Kontakt machen. Nun bietest du deinem Kind die Flasche an, indem du mit dem Sauger sanft seine Lippen berührst, und wartest, bis es den Mund öffnet und den Sauger eigenständig einsaugt.


Die Flasche sollte dabei so gehalten werden, dass die Milch nur die oberste Stitze des Saugeers ausfüllt, also recht waagerecht. Nach drei bis fünf Schlucken senkst du die Flasche etwas ab, damit dein Baby eine kleine Pause machen kann, um zu schlucken und Luft holen. Fängt dein Baby wieder an zu saugen, hältst du die Flasche wieder etwas höher, so dass sich die Saugerspitze wieder mit Milch füllt. Der Sauger kann dabei im Mund bleiben.

So geht es weiter, bis etwa die Hälfte der Mahlzeit geschafft ist und dein Baby eine größere Pause braucht. Nachdem Du es zum Aufstoßen kurz hochgenommen hast, legst du auf deine andere Seite und fütterst es so weiter. Der Seitenwechsel ist, geau wie beim Stillen sehr wichtig für die Entwicklung deines Babys.

Nun ist es wichtig, dass du auf die Sättigungszeichen deines Babys achtest. Dass dein Baby satt ist, kannst du zum Beispiel daran erkennen, dass es nicht mehr weitersaugen möchte, den Kopf wegdreht oder den Sauger mit der Zunge herausschiebt. Auch das feinfühlige Reagieren darauf ist stillfreundlich. An der Brust verhält sich dein Baby schließlich genauso: Wenn es nicht mehr möchte, trinkt es nicht mehr. Daher kann es gut sein, dass dein Baby manchmal nur kleine Mahlzeiten zu sich nehmen will.

Dieses an den Bedürfnissen deines Kindes orientierte Füttern kann etwa 20 bis 30 Minuten dauern – ganz genau wie eine klassische Stillmahlzeit. Dein Baby bestimmt dabei die Geschwindigkeit.

Vergiss nie: diese Zeit ist wertvolle Beziehungszeit. Genieße diese Momente mit deinem Baby!

Pre-Milch richtig zubereiten

Bei der Zubereitung der Pre-Milch sollte sich genau an die Angabe auf der Packung gehalten werden. Im Folgenden gehe ich nur auf einige Punkte ein

Welches Wasser benutze ich am besten?

Bei der Zubereitung der Pre-Milch sollte sich genau an die Angabe auf der Packung gehalten werden. Im Folgenden gehe ich nur auf einige Punkte ein

Muss das Wasser abgekocht werden?

Ja. Das Wasser sollte aufgekocht werden bis es sprudelt. Danach muss es mindestens 10 abkühlen.

Welche Temperatur sollte das Wasser zur Zubereitung der Formulanahrung haben?

Für die Zubereitung der Nahrung ist die richtige Wassertemperatur entscheidend. Auch hier solltest du dich genau an die Angaben auf der Packung halten. Ist das Wasser beim Einrühren zu heiß, können die empfindlichen Eiweiße gerinnen und wertvolle Zusätze wie Bifidusbakterien werden zerstört. Ist das Wasser hingegen zu kalt, können sich die enthaltenen Fette nicht richtig emulgieren (verbinden) und das Pulver klumpt.

Warum darf man das Pulver nicht eigenmächtig über- oder unterdosieren?

Es ist sehr wichtig, ausschließlich den beiliegenden Messlöffel der jeweiligen Packung zu verwenden und diesen immer gestrichen voll zu füllen. Halte dich exakt an das vorgegebene Mischungsverhältnis. Schon kleinste, eigenmächtige Verschiebungen bei der Dosierung können gesundheitliche Schäden nach sich ziehen: Eine dauerhafte Unterdosierung führt zu Nährstoffmangel, während eine Überdosierung die empfindlichen Nieren des Babys schwer belasten und zu Verstopfung oder Dehydration führen kann.

Woran erkenn ich eine gute Formulanahrung?

Der absolute Goldstandard für die Säuglingsnahrung ist und bleibt immer die Muttermilch. Die Zutaten von Pre-Nahrungen orientieren sich zwar an ihr, jedoch lässt sich Muttermilch niemals eins zu eins kopieren – dafür ist sie in ihrer Zusammensetzung zu einzigartig.

In der EU ist gesetzlich streng geregelt, was in einer Säuglingsanfangsnahrung enthalten sein muss und in welcher Menge. Die grundlegenden, lebenswichtigen Inhaltsstoffe sind also in jedem Produkt verpflichtend enthalten. Um dir die Entscheidung im Drogeriemarkt dennoch zu erleichtern, kannst du dich an folgenden Qualitätskriterien orientieren:

  • Laktose (Milchzucker): Sie sollte das einzige Kohlenhydrat in der Pre-Milch sein.
  • Keine Stärke: Reine Pre-Nahrung kommt komplett ohne den Zusatz von Stärke aus (im Gegensatz zu Folgemilch).
  • Eiweißgehalt: Dieser sollte idealerweise niedrig sein und maximal 1,3 g pro 100 ml betragen, um dem Vorbild der Muttermilch möglichst nahezukommen.
  • Taurin: Dieser Stoff ist wichtig für die Gehirnentwicklung und in Muttermilch in großen Mengen enthalten.
  • Unverdauliche Ballaststoffe (GOS, FOS, HMOs): Diese präbiotischen Zusätze unterstützen den Aufbau einer gesunden Darmflora.
  • Nukleotide: Sie sind Bausteine der Zellen und sorgen unter anderem für eine gute Verdauung und ein starkes Immunsystem.
  • Fette (DHA und ARA): Die wichtigen, langkettigen Fettsäuren für die Gehirn- und Sehentwicklung sollten in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.

Blähungen und Koliken – Was könnte der Grund dafür sein?

Blähungen und sogenannte Koliken bei Babys sind ein äußerst umfangreiches und vielschichtiges Thema, über das viel gesprochen wird. An dieser Stelle möchte ich es kurz anreißen, da es im Alltag mit dem Fläschchen eine große Rolle spielt. Es gibt verschiedene Ursachen, die bei Babys zu Gasen im Bauch führen können. Eine der häufigsten Ursachen ist schlichtweg die Tatsache, dass der Magen-Darm-Trakt in den ersten Lebensmonaten noch nicht vollständig ausgereift ist. Die Nahrung kann anfangs noch nicht optimal verarbeitet werden, was ganz natürlich zu Luft im Bauch führt.

Was kann ich tun, um Blähungen vorzubeugen?

Oft lässt sich schon bei der Fütterung selbst ansetzen, um zu verhindern, dass zu viel Luft im Bäuchlein landet. Folgende Punkte helfen dir dabei, Blähungen effektiv vorzubeugen:

  • Zubereitung genau nach Packungsangabe: Das richtige Verhältnis von Pulver und Wasser schützt den empfindlichen Babydarm vor Überlastung.
  • Kleine Portionen nach Bedarf: Füttere dein Kind lieber häufiger und dafür mit kleineren Mengen, anstatt ihm große Mahlzeiten aufzudrängen.
  • Langsames, bedürfnisorientiertes Füttern: Das oben erklärte Paced Bottle Feeding verhindert ein hastiges Trinken und sorgt dafür, dass dein Baby beim Saugen weniger Luft verschluckt.
  • Eine entspannte Atmosphäre schaffen: Der Babydarm reagiert sensibel auf Stress. Wenn Babys überreizt sind, schlägt sich das oft in Bauchschmerzen nieder. Ruhe beim Füttern bewirkt manchmal Wunder

Erste Hilfe bei Blähungen

Wenn der Bauch bereits drückt und dein Baby weint, helfen diese zwei bewährten Methoden, um die Luft sanft zu lösen:

  • Der Fliegergriff: Lege dein Baby in Bauchlage auf deinen Unterarm, sodass sein Kopf in deiner Armbeuge liegt. Dein Arm stützt den Bauch und übt einen sanften Druck aus, während du dein Kind sachte schaukelst.
  • Die sanfte Bauchmassage: Massiere den Babybauch mit etwas Öl (das du vorher in deinen Händen angewärmt hast) im Uhrzeigersinn. Folge dabei dem natürlichen Darmverlauf in Form eines umgekehrten „U“. Das hilft effektiv, festsitzende Winde sanft nach draußen zu befördern.

Fazit: Höre auf dein Bauchgefühl und dein Baby

Wie du siehst, ist es durchaus möglich, eine innige Beziehung zu deinem Baby aufzubauen, auch wenn du nicht stillst. Das Füttern mit dem Fläschchen ist so viel mehr als nur reine Nahrungsaufnahme. In den ersten Lebensmonaten verbringt ihr beide unglaublich viel Zeit beim Füttern. Umso wichtiger ist es, dass ihr diese Momente gemeinsam genießt. Du wirst dein Baby mit jedem Tag besser kennenlernen und seine Hungerzeichen immer früher deuten können. Vertraue da ganz auf dich, dein Bauchgefühl und dein Kind.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, dass Muttermilch die beste Nahrung für dein Baby ist. Auch wenn moderne Formula-Nahrung qualitativ bereits sehr hochwertig ist: An das Original – die Muttermilch – kommt sie niemals heran. Wenn du also gerade kurz davor bist, verfrüht abzustillen, oder wenn du wenigstens einen kleinen Anteil Muttermilch per Teilstillen weitergeben möchtest: Es lohnt sich immer und ist jede Mühe wert.

Du wünschst dir individuelle Unterstüzung?

Jedes Baby und jeder Start ins gemeinsame Leben ist einzigartig. Wenn du merkst, dass dich die große Auswahl an Nahrung weiterhin verunsichert, dein Baby stark mit Blähungen kämpft oder du Fragen zum Thema Zufüttern und der richtigen Trinkmenge hast, musst du diesen Weg nicht alleine gehen.

Als examinierte Kinderkrankenschwester, Stillberaterin und Formulaberaterin stehe ich dir zur Seite. Gemeinsam schauen wir in einer herstellerunabhängigen und vollkommen wertfreien Beratung ganz genau auf eure Situation, um den für euch passenden Weg zu finden.

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